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Anna Kühl

Der schmale Grat zwischen Urlaub und Workation. 

Meine Erfahrungen aus 3 Wochen unterwegs sein und nebenher ein bisschen arbeiten.

Alle sprechen von Workation, dabei ist es doch eigentlich ganz normaler Urlaub, in dem man arbeitet (vielleicht etwas verlängert). Oder nicht? Ich habe mich in den letzten Wochen mal genauer mit diesem Gedanken beschäftigt und hier ist das Resultat meiner Beobachtungen, Erfahrungen und Gedanken.

Machst du noch Urlaub oder nennt man das schon Workation?

Ich habe mich gefragt: wann schaltet man eigentlich richtig ab? Was bedeutet Abschalten überhaupt? Denn ich gehe mal stark davon aus, dass das nicht für alle gleich ist. Einige brauchen einen aktiven Wanderurlaub oder einen ereignisreichen Städtetrip und andere wollen mal komplett weg von jeglichem Trubel und einfach nichts tun – auf einer einsamen Hütte, einem All-Inklusive Urlaub in der Sonne oder im SPA & Wellnesshotel. Wo schaltest du so richtig ab? Ich habe für mich festgestellt, dass das nicht immer gleich ist. Ich habe da kein ultimativen Entspannungsurlaub, den ich immer wieder plane, wenn ich es brauche. Denn ich brauche immer mal etwas anderes. Und das ist doch das tolle am Urlaub. Man kann jedes Jahr etwas anderes machen und neu gestalten. Genau wie im Business!

Und so sah das in der Praxis aus

Als wir letzten Sommer eine Woche am Bodensee waren, war alles noch so neu mit der Selbstständigkeit. Ich hatte gerade meine erste Testkundin und wollte sie natürlich bedienen und so habe ich meinen Laptop und die Arbeit mit in den Urlaub genommen und immer mal zwischendurch gearbeitet. Das war rückblickend gar nicht so viel, da wir jeden Tag unterwegs waren und den Bodensee erkundet haben. Es war ein wunderschöner Urlaub, an den ich gerne zurückdenke, aber wenn ich an die kurzen Momente denke, in denen ich gearbeitet habe, erinnere ich mich, dass ich es als sehr stressig empfunden habe, weshalb ich dann gegen Ende des Urlaubs dann doch den Laptop zugelassen habe. Es schwang eine gewisse Anspannung und innere Unruhe mit.

Fast forward ca. 1 Jahr: Urlaub am Comer See. Gleiche Dauer. Unterschied: Ich bin zu diesem Zeitpunkt seit knapp einem Monat Vollzeit Selbstständig, habe mir einen soliden Kundenstamm aufgebaut, mein Social Media ist etabliert und ich bin routinierter. Man könnte denken: viel mehr ToDos als vor einem Jahr mit der einen Testkundin. So war es auch. ABER: ich habe meine ToDos und Prioritäten besser im Griff. Ich wusste schon vor dem Urlaub, was Priorität hat, welche Themen ich in meinen Urlaub hineinlasse und habe mich bewusst dazu entschieden, Instagram weiter zu bespielen. Und ich muss sagen, es hat mich kaum gestresst und ich konnte trotzdem den Urlaub genießen. Ich bin davon überzeugt, dass mein Vertrauen in mein Business und die Unterstützung und das Verständnis von meinem Freund maßgeblich dazu beigetragen haben. Ich nehme mir jetzt aber auch ganz bewusst die Zeit für uns heraus und bin dann voll da. Der Laptop wurde nur zu bestimmten Zeiten aufmacht, was Tag zu Tag auch weniger wurde und ich habe mich überhaupt nicht unter Druck oder verpflichtet gefühlt.

Danach war ich noch an der Nordsee und habe auch hier wieder die Arbeit mitgenommen, was es mir überhaupt erst ermöglicht hat, dort hinzufahren.

Das ist die ortsunabhängige Freiheit, von der ich geträumt habe: nicht mehr die Urlaubstage mühsam abzählen, sondern arbeiten und Urlaub genießen wann und wo ich will.

Ein wichtiger Aspekt sind natürlich immer die Mitreisenden. Kannst du überhaupt arbeiten, wenn du mit der Familie und deinem Partner reist? Oder sollte man dann lieber alleine Urlaub machen? Auch hier habe ich erkannt, dass das sehr Situations- und Bedürfnisabhängig ist. Wenn man sich in einem gemeinsamen Urlaub dazu entscheidet, ein bisschen zu arbeiten, ist es notwendig, dies vorher klar abzusprechen und deutlich zu machen, was du brauchst, um zu arbeiten und aber auch um entspannen zu können. Sowohl meine Mitreisenden verdienen Respekt (denn sie nehmen sich ja auch die Zeit mit mir wegzufahren), als auch ich habe entsprechend Respekt meiner Arbeit gegenüber erfahren und konnte so ungestört meine Aufgaben zwischendrin erledigen.

Wichtig ist: Als ich mich entschieden habe, den Laptop mitzunehmen, habe ich akzeptiert, dass ich im Urlaub nicht ganz so oft entspannt auf dem Balkon ein Buch lesen werde, dafür habe ich aber auch trotzdem ein bisschen Geld verdient und Themen am Laufen gehalten, ohne nach dem Urlaub wieder bei 0 anfangen zu müssen.

Versteht mich nicht falsch: Erholung und Pausen sind extrem wichtig! Aber meine 2 Wochen Laptop freie Auszeit hatte ich schon im Juni und werde ich mir bei Bedarf auch wieder nehmen. Ich versuche auch streng meine „no work on weekends“-Regel einzuhalten, was mir auch Ausgleich gibt.

Aber allein der Tapetenwechsel tat schon gut: anderes Land, anderes Essen, andere Leute, andere Sprache, andere Kultur. Das reicht mir auch manchmal schon zum auftanken.

Und das beste: ich war insgesamt drei Wochen lang am Wasser (Comer See, deutsche Nordsee, dänische Nordsee). Und diejenigen, die mich mittlerweile ein bisschen kennen, wissen: am Wasser kann ich runterkommen. Dort kann ich mich wieder erden und bei mir sein. Und das wiederum hilft auch meinem Business. Alles war auf einmal wieder mehr im Flow. Wie das Wasser…

Fazit: Ich bin überzeugt, dass die Wochen mir guttaten und ich hier am Schreibtisch in Karlsruhe unproduktiver gewesen wäre. Ich habe Kraft tanken und neue Eindrücke und Ideen gewinnen können und habe zudem noch wertvolle Zeit mit meinen Liebsten verbracht.

Es wird immer mal Urlaube geben, die es erlauben, auch ein bisschen zu arbeiten, so wie ich es die letzten 3 Wochen getan habe. Aber es wird auch Urlaube geben, in denen ich meinen Laptop und alles Zuhause lassen möchte, was mich zum Arbeiten verleiten könnte und mich einfach 100% auf den Urlaubsort einlassen und alles Neue aufsaugen, ohne Ablenkung. So wie im Juni in Irland!

Ob man es nun Workation nennt oder ein bisschen Arbeiten im Urlaub – das überlasse ich dir. 🙂

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